Montag, 7. Dezember 2009

Ein Plädoyer für Minarette und Toleranz

Letztes Semester habe ich dieses Essay im Deutschunterricht geschrieben. Nach den Abstimmungen von vergangener Woche ist das Thema aktueller denn je und ich möchte in dieser Form, meinen Beitrag zum aktuellen Diskurs leisten.


Minarette sind eine Chance, die Minarettverbots-Initiative eine Gefahr

Die Einflüsse anderer Kulturen werden grösser in der Schweiz. Sich von diesen abzuschotten, wie die SVP dies mit der Minarettverbots-Initiative versucht, ist keine Lösung. Gemäss dem Leitspruch der französischen Revolution „Égalité, Fraternité, Liberté“ sollen allen die gleichen Rechte zukommen. Denn sonst ist die Religionsfreiheit, die wir prokla­mieren, gefährdet.

Die Schweiz war schon immer ein Einwanderungsland; zuerst kamen die Italiener, dann die Jugoslawen und Portugiesen und in den letzten Jah­ren vermehrt Personen aus Afrika. Ein Spaziergang entlang der Lang­strasse in Zürich reicht, um zu sehen, wie viele Nationalitäten Teil unse­rer Bevölkerung geworden sind. Mit den Ausländern ist mehr Diversität in unser Land gekommen. Viele Einflüsse können wir uns gar nicht mehr wegdenken: die guten italienischen Restaurants, der Kebabstand um die Ecke oder die Afropfingsten in Winterthur. Die Diversität, die durch den Einfluss anderer Kulturen und anderer Religionen entsteht und viel wei­ter geht als diese Beispiele, hat eine Kehrseite: Die Unsicherheit. Die Gesellschaft ist so schnell so vielseitig geworden, dass man nicht mehr weiss, wer man selbst ist. Die eigene Identität droht zu zerbrechen. Um dies zu verhindern, schotten wir uns ab und trennen Eigenes und Frem­des radikal. Aus diesem Bedürfnis entspringen Auswüchse wie die Mina­rettverbots-Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP). In ihrer Stellungnahme schreibt die Partei: „Das Minarett hat keine religiöse Be­deutung. Es wird im Koran nirgends erwähnt.“

Minarette und Kirchtürme sind Symbole ihrer Religionen

Die SVP argumentiert, dass Minarette keine religiöse Bedeutung haben, damit sie diese verbieten können, ohne der Religionsfreiheit zu wider­sprechen. In der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 steht: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt […] die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffent­lich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

Auch wenn Minarette nicht im Koran erwähnt werden, bedeutet dies nicht, dass sie keine religiöse Bedeutung haben. Das merkwürdige an die­ser Argumentation ist, dass unseren Kirchtürmen dieselbe Bedeutung beigemessen werden kann. Auch sie werden in der Bibel nicht erwähnt und waren Symbole der Macht. Und selbst jegliche praktische Funktion haben sie verloren, seit Schweizerinnen und Schweizer Armbanduhren am Handgelenk tragen. Genau wie das Minarett ein Symbol des islami­schen Glaubens ist, sind Kirchtürme ein Symbol der christlichen Religion.

Staat und Kirche müssen getrennt bleiben

Die Religion ist ein gutes Mittel, um Menschen zu motivieren, zu zwin­gen, das zu tun, was die Mächtigen wollen. Der Klerus und Adel hat die­ses Werkzeug in Europa bis zur französischen Revolution immer wieder eingesetzt. Die Trennung von Kirche und Staat ist eine Errungenschaft der Aufklärung. Wenn die SVP Minarette über eine Initiative verbieten will, erzittert dieser Grundsatz. Gleichzeitig argumentieren sie gegen Minarette, mit dem Vorwurf der Islam kenne diese Trennung nicht. Wenn diese Initiative Erfolg hätte, würden wir ins selbe Boot steigen. Staat und Kirche wären nicht mehr getrennt, sondern der Staat würde der Religion - nicht unser eigenen - Befehle erteilen.

Akzeptanz und Toleranz für alle Religionen

Gotthold Ephraim Lessing trat 1779 in seinem Drama „Nathan der Weise“ für Akzeptanz und Toleranz unter den Religionen ein. In der Schlüssel­szene seines Stückes äussert sich die Hauptfigur Nathan dazu. Er setzt in einer Geschichte - der Ringparabel - die drei Religionen Ringen gleich, welche die Eigenschaft haben, den Menschen vor Gott angenehm zu ma­chen.

„Mein Rat ist aber der: ihr nehmt / Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von / Euch jeder seinen Ring von seinem Vater: / So glaube jeder sicher sei­nen Ring / Den echten. - Möglich; dass der Vater nun / Die Tyrannei des einen Rings nicht länger / In seinem Hause dulden wolle! - Und gewiss; / Dass er euch alle drei geliebt, und gleich geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen, / Um einen zu begünstigen.“

Was Lessing in seinem Drama Nathan sagen lässt, scheinen wir vergessen zu haben. Dies, obwohl die Ringparabel ein Thema anschneidet, das sehr aktuell ist. Wieso gelingt uns heute nicht das gleiche mit dem Islam, was uns einst zwischen der katholischen und evangelischen Konfession ge­lang? Dass eine evangelische und eine katholische Kirche in jedem Dorf steht, wundert uns längst nicht mehr, ja wir bemerken es nicht einmal mehr.

Ich wäre stolz, würden meine Kinder, Enkel oder Urenkel es als genauso selbstverständlich betrachten, wenn neben der katholischen und der evangelischen Kirche eine Moschee mit Minarett stehen würde.

Toleranz umsetzen und nicht nur predigen

Die islamischen Länder habe nie eine Aufklärung wie Europa durchlebt, argumentiert die SVP weiter, deshalb müssen wir ihn nicht akzeptieren. Es stimmt, dass es im Islam nie eine Aufklärungszeit wie die französische Revolution gegeben hat. Aber welche Rolle spielt dies bei der Diskussion um Minarette? Muslime werden auch ohne Minarette weiterhin in unse­rem Land leben. Und es stimmt, einige haben Mühe, unsere Gesellschaft zu akzeptieren. Aber es gibt viele, die sich integrieren, nur spricht man nicht über sie. Wieso soll man diesen Menschen verbieten ein Minarett zu bauen? So viel Toleranz muss doch möglich sein, in einem Land deren Bundesverfassung schreibt: „[…] Unabhängigkeit und Frieden in Solidari­tät und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegensei­tiger Rücksichtnahme und Achtung ihrer Vielfalt in der Einheit zu leben […]“. Aber wieso fällt es uns so schwer, die Toleranz und Offenheit um­zusetzen, die wir predigen?

Wir haben Angst, Angst vor Neuem, Angst vor Veränderung, Angst vor dem Unbekannten. Wie aufgeklärt sind wir, wenn wir uns von unserer Angst regieren lassen? Kant nennt Faulheit und Feigheit als die grössten Ursachen, wieso die Menschen nicht aus der selbst verschuldeten Un­mündigkeit treten. Die Angst würde in dieser Aufzählung ebenfalls einen Platz verdienen. Aber sie ist eines der Monster, die uns unmündig ma­chen. Vielleicht sogar das Schlimmste, denn selbst dem Verstand eines aufgeklärten Menschen kann sie über Nacht das Zepter entreissen.

„Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, sagt Kant. Das war der Leitspruch der Aufklärung. Wenn aber nur noch unsere Ängste zu Wort kommen und die Raison schweigend im Hinter­grund steht, werden wir dem nicht mehr gerecht.

Minarette als Symbol der Toleranz und Offenheit

Sapere aude. Bedienen wir uns des Verstandes und sehen ein, dass der Kampf gegen das Fremde von unserer Angst geleitet wird. Die Energie, die verbraucht wird, um uns abzugrenzen, wäre besser investiert, um das Fremde zu integrieren. Nicht nur in unserem Staat sondern auch in unse­rem Leben. Erst wenn dies gelingt, ist die Angst gebannt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

24 Tage ohne Schokolade - Tag 3

Der dritte Tag meiner Schokolade-Entzugs-Kur ist angebrochen. Gestern viel mir das Verzichten richtig schwer. Ich war der ganze Tag an der Uni, bin schwimmen gegangen und dann zu meinem Freund gefahren. Und er wartete mit der genialsten Überraschung auf mich: ein Weihnachtskalender. Doch der Kalender ist unter anderem mit Schokolade gefüllt. Das macht das ganze Nicht-Schokolade-Essen noch viel schwieriger. Aber ich werde es schaffe, wenn ich es mir nur oft genug einrede.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

24 Tage ohne Schokolade - Tag 2

Seit ich klein bin, ist es in meiner Familie Tradition, dass man während der Fastenzeit (vor Ostern) und im Advent auf etwas verzichtet. Meistens auf irgendein Genussmittel. Für mich und meine Schwester war das Schokolade, für meine Mutter Kaffee, für meinen Vater Wein.
Auch wenn ich unterdessen schon lange nicht mehr Zuhause wohne und meine Mutter mir noch länger nichts mehr zu sagen hat, habe ich beschlossen, diesen Advent unsere Familientradition wieder aufleben zu lassen

Bis Weihnachten gibt es deshalb:
- Keine Schokolade
- Keine Nutella
- Keine Kekse
- Kein Kuchen
- Kein etc.

Einfach nichts Süsses und kein Dessert.
Heute ist Tag 2 meines Experimentes. Bis jetzt ist das Verzichten noch nicht all zu schwierig. Aber ich bin sicher - irgendwann vor Weihnachten - wird der Tag kommen, wo ich alles tun würde für etwas Schokolade.

Mittwoch, 25. November 2009

Blogjulklapp 2009

Wie bereits vor einem Jahr, veranstaltet Konna wieder ein Blogjulklapp. Und ich bin erneut dabei! Dieses Jahr wird Alex am 21. Dezember bei mir schreiben. Und ich habe die Ehre und das Vergnügen am 13. Dezember bei Yuki Keylin einen Beitrag zu schreiben.

Neues Lieblingslied

Das erste mal habe ich das Lied in einer Folge von "Private Practice" (ja, ich schau ab und zu so kitschige Serien) gehört. Es hat mir auf Anhieb gefallen. Dank Google war es nicht schwer, Titel und Interpret herauszufinden. Aber genug geschrieben...


Freitag, 6. November 2009

Sonnenfinsternis im Chemielabor

Ich lerne zur Zeit an der Uni, wie man Kritiken schreiben sollte. Gestern mussten wir dies über die grauenha... äh wunderbaren Kaugummis von Trident machen. Hier das Resultat:


Trident hat seinen Kaugummis ein neues Kleid verpasst. Sie kommen in einer eleganten, schwarzen Verpackung daher und tragen gut klingende neudeutsche Namen wie „watermelon sunrise“. Ansprechen sollen die Design-Kaugummis junge Erwachsene.

Ein mattes Schwarz aufgehellt mit psychedelischem Grün-Orange-Rot. Auf dem dunklen Hintergrund prangt in glänzendem Silber der Schriftzug „senses“. Der süssliche Geruch dringt einem selbst durch die Plastikschutzfolie unerbittlich in die Nase. So präsentiert sich der neue Kaugummi „Trident sense watermelon sunrise“.
Die neue Produkte Reihe „senses“ sieht bewusst elegant aus. Durch das veränderte Design soll sie vor allem junge Erwachsene ansprechen, erfährt man vom Hersteller. Welche Erwachsenen aber einen Kaugummi nach dem Erscheinungsbild aussuchen, bleibt in Frage gestellt.
Die neue aufklappbare Karton-Verpackung ist optisch hübsch. Der penetrante Geruch, der sich beim Aufmachen entfaltet, erinnert aber mehr an Reagenzglas und Labor als an Wassermelone bei Sonnenaufgang.
Abgeschreckt vom Geruch kostet es Überwindung, den Kaugummi überhaupt in den Mund zu nehmen. Und dabei stellt sich bereits das nächste Problem. Die einzelnen Kaugummis lassen sich fast nicht aus der Packung lösen. Spätestens dann nervt die neue Aufmachung von Trident und man sehnt sich nach den alten, unstylischen aber praktischen Verpackungen von früher zurück.
Selbst geschmacklich mag der Kaugummi nicht zu überzeugen. Wenigstens schmeckt er weniger schlimm, als dass er riecht. Aber die Entfaltung der Düfte im Mund als gut zu beschreiben, wäre eine starke Übertreibung. Sie erinnert weder an einen schönen Sonnenaufgang am Strand noch an einen kräftigen Biss in eine reife Wassermelone. Es dominieren erneut die Assoziationen an Novartis und Roche. Die Hersteller sollten ihren Kaugummi besser Sonnenfinsternis im Chemielabor nennen, denn dies käme dem Geschmack und Geruch des Kaugummis näher wie Wassermelonen Sonnenaufgang.
Das einzige Versprechen des Herstellers, welches der Kaugummi hält, ist dass er seinen Geschmack länger beibehält. Aber wenn dieser von Anfang an nicht gut ist, wäre man froh, er würde sich schneller verflüchtigen.

Mittwoch, 4. November 2009

Is so sexy


Herrlich. Besonders für alle die schon einmal in Vietnam waren und wissen, dass es wirklich so klingt, wenn die Vietnamesen Englisch sprechen.