Dienstag, 16. Dezember 2008

Wintersonnenwende

Gedanken in Buchstaben proudly presents: Curi0us von Curi0usities. Im Rahmen von Blog Julklapp hat er für heute einen Gastbeitrag für meinen Blog geschrieben. Nun übergebe ich ihm das Wort:

Heute in fünf Tagen ist auf der Nordhalbkugel Wintersonnenwende.
Von da an werden die Tage nach und nach wieder länger, wieder heller.
Weihnachten ist für mich immer irgendwie auch der Wendepunkt. Die Tage im Jahr, nach denen alles wieder mehr oder weniger auf Null gesetzt wird.
Einmal tief Luft holen und danach geht alles wieder von vorn los.
.

Reboot.

Warten darauf, dass das wirkliche Leben wieder weiter geht.
Nach drei Tagen an denen irgendwie "alles anders" ist als sonst. Nicht besser, anders. Drei Tagen an denen selbst die tumbesten Typen irgendwie melancholisch, nachdenklich oder fürsorglich gucken.
Tagen an denen plötzlich alle glauben, sie müssten Spazierengehen, obwohl sie es sonst nie machen.
Tagen an denen Ehemänner glauben, sie müssten und könnten Kochen. Einmal im Jahr.
Tage an denen plötzlich unscheinbare Menschen im Weihnachtsmannkostüm abgehen, als wären sie Robbie Williams.
Weihnachten ist eine komische Zeit, vielleicht die komischste im Jahr.
Ich mag ja die Beleuchtung. Ich liebe das Gebäck. Beschenkt werden ist schön, Geschenke machen noch schöner. Den mir Liebsten unter den Menschen etwas Freude bereiten. Das mag ich.
Aber oft mag ich die Atmosphäre nicht wirklich.
Scheinheilig.
Im wahrsten Sinne des Wortes. Plötzlich entdecken völlig areligiöse Menschen, dass sie in die Kirche gehen müssen.
Viele Menschen, die sonst ohne Ellenbogen kaum geradeaus gehen können, spenden für Obdachlose. Glauben damit würden sie zu guten Menschen. Moderne Ablasszahlungen.
Gewalttäter die drei Tage im Jahr so tun, als wären sie liebevoll oder zärtlich. Aber hinter den Kulissen? Wer weiss.
Nicht umsonst ist Weihnachten die Zeit im Jahr, zu der am meisten Selbstmorde geschehen. Familienkrisen. Alles ist anders, drei Tage lang.
Am 27. Dezember ist das System heruntergefahren. Komplexe Datenbanken brauchen eine Weile, bevor sie wieder hochgefahren sind. Fünf Tage. Bis zum 2. Januar.
Wintersonnenwende, irgendwie der Neustart des Systems. Jedes Jahr.
Vergesst nicht, wer ihr eigentlich seid, in den nächsten Tagen.
Kommt gut über die Festtage. Und trotz allem: Frohe Weihnachten.

Reboot.

4 Kommentare:

Konna hat gesagt…

Zunächst einmal: Ein wunderbar zu lesender Beitrag.

Allerdings sieht der mir die Dinge etwas zu negativ. Ist es wirklich scheinheilig, sich an den Festtagen einmal von seiner positiven Seite zu zeigen?
Ich finde, dass genau das vielleicht bei den betreffenden Menschen zeigt, dass in ihnen jemand anderes, jemand "besseres" steckt. Dass sie noch nicht ganz abgestumpft sind.
Das macht für mich Weihnachten aus: Über seinen eigenen Schatten springen zu können und die gute Seite an sich zu entdecken.

Und selbst wenn bei nur einem der Wandel vor dem Reboot gespeichert wird, hat sich das Weihnachtsfest doch schon wieder gelohnt.

Lia hat gesagt…

Ich kann Curi0us Meinung ganz gut verstehen. Man ist nicht gut, weil man ein Tag lang im Jahr vorgibt, gut zu sein. Das bringt nichts.
Mir geht es wie ihm: Ich finde es scheinheilig.

Curi0us hat gesagt…

@Konna danke für den ersten Satz ;-)

Ich denke es geht ja nicht darum, den guten Kern einiger zu verleugnen, aber ich finde es schon oft einfach sehr.. auch ermüdend, Menschen zu sehen, die für diese 3 Tage plötzlich "Heile Welt" simulieren, die es so eben nicht gibt. Schlimm vor allem, wenn diese Menschen dann auf einen hinabsehen, weil man wegen des Festes *nicht* supergut drauf ist.

@Lia danke für die Unterstützung + Verständnis :-)

Dessau Bauhaus Blog hat gesagt…

Man sollte auch zu Weihnachten so sein wie man sonst auch ist. Ich denke dann oft auf das Jahr zurück was so alles passiert ist und was man dann noch besser machen könnte.