Montag, 21. Dezember 2009

Perspektiven

Im Rahmen von Konnas Blogjullklap schreibt heute Alex bei mir.

So gut wie jeder ist schon einmal Auto gefahren, ob als Beifahrer oder ab 18 dann auch selbst. Wenn man in der Schweiz oder in Deutschland aufwächst, dann ist auch etwas völlig Normales und wird schnell zur Routine. Man denkt nicht mehr darüber nach. Als Fahrer steigt man vorne links ein, schnallt sich an und fährt los. Geschalten wird mit der rechten Hand. Kennt man alles und das hat sich auch in diesen Grundzügen kaum verändert seit der Erfindung des Automobils im vorletzten Jahrhundert.

Jetzt gibt es aber ein paar Länder, die von diesem Standard nicht viel halten und wo darum auf der linken Seite gefahren wird. England ist so eine Insel; Zypern auch – irgendwie bildet sich da direkt ein Muster. Wenn man das weiter führen würde (Australien, Japan… alles Inseln).
Auf den ersten Blick ist man da mit verdammt viel Respekt unterwegs, weil man dadurch von den bekannten Mustern und Routinen abweichen muss und man durch das Fahren auf der linken Seite mit einer völlig neuen Situation konfrontiert ist. Ich bin das
erste Mal in England auf der linken Seite gefahren. Da allerdings mit meinem Auto, also einem Linkslenker. Das war am Anfang ein konstantes geistiges Vorbeten von einem Satz: „Du musst auf der linken Seite fahren!“ – Nach einiger Zeit wird das aber auch dann Routine und geht wie zuhause. Aufgrund der bekannten Umgebung meines Autos war die Umstellung nur halb so schwer.

Jetzt auf Zypern bin ich das erste Mal mit einem rechts gelenkten Auto gefahren. Das sieht dann so aus:

Erst einmal will man anfangs immer links einsteigen. Man macht die Tür auf und sieht dann: Oh, kein Lenkrad. Ach ja, falsche Seite! Dann geht man also um das Auto herum und setzt sich auf die richtige Seite. Hier ist dann erst einmal alles so wie man das auch aus einem Auto in Deutschland kennt. Hebel sind alle da, wo sie sein sollen. Das ist schon einmal gut! Gleiches gilt auch für die Pedalerie (wenn das anders wäre, dann müsste man sicher einen extra Führerschein machen für das Fahren auf der linken Seite. Denn ein abruptes Bremsmanöver, das in Vollgas endet ist suboptimal.).
Der größte Unterschied ist aber, dass man mit der linken Hand schalten muss. Und hier merkt man am deutlichsten, dass das Auto eigentlich von einem Deutschen erfunden wurde. Mit der linken Hand zu schalten fühlt sich in etwa so an, wie wenn man mit der linken Hand als Rechtshänder schreibt. Möglicherweise sagen jetzt alle Linkshänder: Endlich ein Auto für mich. Das kann ich nicht beurteilen, aber als Rechtshänder ist das furchtbar. Ich habe mich regelmäßig verschalten, insbesondere beim Zurückschalten.
Fahren links während man rechts sitzt geht dagegen etwas einfacher, weil man einfach an Übersicht gewinnt. Und nach ein paar Tagen geht das alles auch immer flüssiger und man gewöhnt sich an das Fahren auf der linken Seite.
Ich greife trotzdem jedes Mal beim Einsteigen nach links hinten in die Leere. Warum? Weil ich immer auf der Suche nach dem Gurt kläglich scheitere, da sich dieser ja rechts hinter mir befindet…
Übrigens: Nach sechs Monaten Fahren auf der linken Seite war mein geistiges Credo die ersten Tage: „Du musst auf der rechten Seite fahren!“
Ich hoffe, mit diesem Autothema keinen gelangweilt zu haben und wünsche allen Lesern Frohe Weihnachten.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Blogjulklapp 2009 - mein Artikel bei Yuki Keylin

Im Rahmen von Konnas Blogjulklapp kann man heute bei Yuki Keylin meinem Gastbeitrag über besinnlichen Stress in der Weihnachtszeit lesen.

Montag, 7. Dezember 2009

Ein Plädoyer für Minarette und Toleranz

Letztes Semester habe ich dieses Essay im Deutschunterricht geschrieben. Nach den Abstimmungen von vergangener Woche ist das Thema aktueller denn je und ich möchte in dieser Form, meinen Beitrag zum aktuellen Diskurs leisten.


Minarette sind eine Chance, die Minarettverbots-Initiative eine Gefahr

Die Einflüsse anderer Kulturen werden grösser in der Schweiz. Sich von diesen abzuschotten, wie die SVP dies mit der Minarettverbots-Initiative versucht, ist keine Lösung. Gemäss dem Leitspruch der französischen Revolution „Égalité, Fraternité, Liberté“ sollen allen die gleichen Rechte zukommen. Denn sonst ist die Religionsfreiheit, die wir prokla­mieren, gefährdet.

Die Schweiz war schon immer ein Einwanderungsland; zuerst kamen die Italiener, dann die Jugoslawen und Portugiesen und in den letzten Jah­ren vermehrt Personen aus Afrika. Ein Spaziergang entlang der Lang­strasse in Zürich reicht, um zu sehen, wie viele Nationalitäten Teil unse­rer Bevölkerung geworden sind. Mit den Ausländern ist mehr Diversität in unser Land gekommen. Viele Einflüsse können wir uns gar nicht mehr wegdenken: die guten italienischen Restaurants, der Kebabstand um die Ecke oder die Afropfingsten in Winterthur. Die Diversität, die durch den Einfluss anderer Kulturen und anderer Religionen entsteht und viel wei­ter geht als diese Beispiele, hat eine Kehrseite: Die Unsicherheit. Die Gesellschaft ist so schnell so vielseitig geworden, dass man nicht mehr weiss, wer man selbst ist. Die eigene Identität droht zu zerbrechen. Um dies zu verhindern, schotten wir uns ab und trennen Eigenes und Frem­des radikal. Aus diesem Bedürfnis entspringen Auswüchse wie die Mina­rettverbots-Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP). In ihrer Stellungnahme schreibt die Partei: „Das Minarett hat keine religiöse Be­deutung. Es wird im Koran nirgends erwähnt.“

Minarette und Kirchtürme sind Symbole ihrer Religionen

Die SVP argumentiert, dass Minarette keine religiöse Bedeutung haben, damit sie diese verbieten können, ohne der Religionsfreiheit zu wider­sprechen. In der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 steht: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt […] die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffent­lich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

Auch wenn Minarette nicht im Koran erwähnt werden, bedeutet dies nicht, dass sie keine religiöse Bedeutung haben. Das merkwürdige an die­ser Argumentation ist, dass unseren Kirchtürmen dieselbe Bedeutung beigemessen werden kann. Auch sie werden in der Bibel nicht erwähnt und waren Symbole der Macht. Und selbst jegliche praktische Funktion haben sie verloren, seit Schweizerinnen und Schweizer Armbanduhren am Handgelenk tragen. Genau wie das Minarett ein Symbol des islami­schen Glaubens ist, sind Kirchtürme ein Symbol der christlichen Religion.

Staat und Kirche müssen getrennt bleiben

Die Religion ist ein gutes Mittel, um Menschen zu motivieren, zu zwin­gen, das zu tun, was die Mächtigen wollen. Der Klerus und Adel hat die­ses Werkzeug in Europa bis zur französischen Revolution immer wieder eingesetzt. Die Trennung von Kirche und Staat ist eine Errungenschaft der Aufklärung. Wenn die SVP Minarette über eine Initiative verbieten will, erzittert dieser Grundsatz. Gleichzeitig argumentieren sie gegen Minarette, mit dem Vorwurf der Islam kenne diese Trennung nicht. Wenn diese Initiative Erfolg hätte, würden wir ins selbe Boot steigen. Staat und Kirche wären nicht mehr getrennt, sondern der Staat würde der Religion - nicht unser eigenen - Befehle erteilen.

Akzeptanz und Toleranz für alle Religionen

Gotthold Ephraim Lessing trat 1779 in seinem Drama „Nathan der Weise“ für Akzeptanz und Toleranz unter den Religionen ein. In der Schlüssel­szene seines Stückes äussert sich die Hauptfigur Nathan dazu. Er setzt in einer Geschichte - der Ringparabel - die drei Religionen Ringen gleich, welche die Eigenschaft haben, den Menschen vor Gott angenehm zu ma­chen.

„Mein Rat ist aber der: ihr nehmt / Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von / Euch jeder seinen Ring von seinem Vater: / So glaube jeder sicher sei­nen Ring / Den echten. - Möglich; dass der Vater nun / Die Tyrannei des einen Rings nicht länger / In seinem Hause dulden wolle! - Und gewiss; / Dass er euch alle drei geliebt, und gleich geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen, / Um einen zu begünstigen.“

Was Lessing in seinem Drama Nathan sagen lässt, scheinen wir vergessen zu haben. Dies, obwohl die Ringparabel ein Thema anschneidet, das sehr aktuell ist. Wieso gelingt uns heute nicht das gleiche mit dem Islam, was uns einst zwischen der katholischen und evangelischen Konfession ge­lang? Dass eine evangelische und eine katholische Kirche in jedem Dorf steht, wundert uns längst nicht mehr, ja wir bemerken es nicht einmal mehr.

Ich wäre stolz, würden meine Kinder, Enkel oder Urenkel es als genauso selbstverständlich betrachten, wenn neben der katholischen und der evangelischen Kirche eine Moschee mit Minarett stehen würde.

Toleranz umsetzen und nicht nur predigen

Die islamischen Länder habe nie eine Aufklärung wie Europa durchlebt, argumentiert die SVP weiter, deshalb müssen wir ihn nicht akzeptieren. Es stimmt, dass es im Islam nie eine Aufklärungszeit wie die französische Revolution gegeben hat. Aber welche Rolle spielt dies bei der Diskussion um Minarette? Muslime werden auch ohne Minarette weiterhin in unse­rem Land leben. Und es stimmt, einige haben Mühe, unsere Gesellschaft zu akzeptieren. Aber es gibt viele, die sich integrieren, nur spricht man nicht über sie. Wieso soll man diesen Menschen verbieten ein Minarett zu bauen? So viel Toleranz muss doch möglich sein, in einem Land deren Bundesverfassung schreibt: „[…] Unabhängigkeit und Frieden in Solidari­tät und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegensei­tiger Rücksichtnahme und Achtung ihrer Vielfalt in der Einheit zu leben […]“. Aber wieso fällt es uns so schwer, die Toleranz und Offenheit um­zusetzen, die wir predigen?

Wir haben Angst, Angst vor Neuem, Angst vor Veränderung, Angst vor dem Unbekannten. Wie aufgeklärt sind wir, wenn wir uns von unserer Angst regieren lassen? Kant nennt Faulheit und Feigheit als die grössten Ursachen, wieso die Menschen nicht aus der selbst verschuldeten Un­mündigkeit treten. Die Angst würde in dieser Aufzählung ebenfalls einen Platz verdienen. Aber sie ist eines der Monster, die uns unmündig ma­chen. Vielleicht sogar das Schlimmste, denn selbst dem Verstand eines aufgeklärten Menschen kann sie über Nacht das Zepter entreissen.

„Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, sagt Kant. Das war der Leitspruch der Aufklärung. Wenn aber nur noch unsere Ängste zu Wort kommen und die Raison schweigend im Hinter­grund steht, werden wir dem nicht mehr gerecht.

Minarette als Symbol der Toleranz und Offenheit

Sapere aude. Bedienen wir uns des Verstandes und sehen ein, dass der Kampf gegen das Fremde von unserer Angst geleitet wird. Die Energie, die verbraucht wird, um uns abzugrenzen, wäre besser investiert, um das Fremde zu integrieren. Nicht nur in unserem Staat sondern auch in unse­rem Leben. Erst wenn dies gelingt, ist die Angst gebannt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

24 Tage ohne Schokolade - Tag 3

Der dritte Tag meiner Schokolade-Entzugs-Kur ist angebrochen. Gestern viel mir das Verzichten richtig schwer. Ich war der ganze Tag an der Uni, bin schwimmen gegangen und dann zu meinem Freund gefahren. Und er wartete mit der genialsten Überraschung auf mich: ein Weihnachtskalender. Doch der Kalender ist unter anderem mit Schokolade gefüllt. Das macht das ganze Nicht-Schokolade-Essen noch viel schwieriger. Aber ich werde es schaffe, wenn ich es mir nur oft genug einrede.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

24 Tage ohne Schokolade - Tag 2

Seit ich klein bin, ist es in meiner Familie Tradition, dass man während der Fastenzeit (vor Ostern) und im Advent auf etwas verzichtet. Meistens auf irgendein Genussmittel. Für mich und meine Schwester war das Schokolade, für meine Mutter Kaffee, für meinen Vater Wein.
Auch wenn ich unterdessen schon lange nicht mehr Zuhause wohne und meine Mutter mir noch länger nichts mehr zu sagen hat, habe ich beschlossen, diesen Advent unsere Familientradition wieder aufleben zu lassen

Bis Weihnachten gibt es deshalb:
- Keine Schokolade
- Keine Nutella
- Keine Kekse
- Kein Kuchen
- Kein etc.

Einfach nichts Süsses und kein Dessert.
Heute ist Tag 2 meines Experimentes. Bis jetzt ist das Verzichten noch nicht all zu schwierig. Aber ich bin sicher - irgendwann vor Weihnachten - wird der Tag kommen, wo ich alles tun würde für etwas Schokolade.